Hauptfiguren

Ich habe meine Hauptfiguren nicht entworfen. Sie haben sich selbst ihren Weg in die Geschichte gebahnt, mich von ihrer Notwendigkeit überzeugt, sich unentbehrlich gemacht und dann einfach die Geschichte übernommen.

Die Beziehungen: Dreieck

Mann oder Frau?

Mit Laska fing alles an. Ursprünglich war sie ein Gelehrter. Männlich, wortkarg, zynisch, eigenbrötlerisch. Ich wusste, dass diesen Charakter haben will, ihn brauche, aber ich habe lange vergeblich versucht, zu Laska eine Beziehung aufzubauen. Das wurde erst besser, als ich erkannt habe, dass sie eine Frau ist – natürlich, welcher Charakter wird schon gerne in den falschen Körper gesteckt?

Es hat nicht einmal viel an ihrem Verhalten geändert. Sie ist kein besonders weiblicher Charakter. Aber ihre Nähe und Verbundenheit zur Natur lässt sich als Frau viel besser darstellen. Mir gefällt ganz gut, was sie auf diese Weise geworden ist. Keine Xena-hafte Schwertkämpferin, keine trickreiche Magierin und erst recht keine sich aufopfernde Heilerin.

Laska steht für den Archetypus der freien Frau, die wild durch die Wälder läuft und barfuß im Mondlicht tanzt. Ihre Antriebskraft ist der Instinkt.

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Helfer oder Held?

Als ich anfangs mit Laskas Perspektive so schlecht zurecht kam, hat Fennex sich gewissermaßen angeboten, sie zu begleiten und ihre Geschichte zu erzählen. Mit seiner unkomplizierten und kommunikativen Art ist er gute Gesellschaft für komplizierte Charaktere.

Allerdings war Fennex im Gegensatz zu Laska in ein soziales Netz eingebunden, und so hilfsbereit er ist – er ist noch viel besser darin, sich und andere in Schwierigkeiten zu bringen. Also kam für Fennex ganz viel eigene Geschichte dazu, ein besonders starkes Motiv (seinen Bruder retten) und auf einmal steckte er auch schon mitten in seiner eigenen Heldenreise, der sich jetzt auf einmal Laska anschloss.

Fennex bietet am meisten Potenzial. Anfangs ist er noch ein richtiges Provinzei, unterste Gesellschaftsschicht, fernab der Machtstrukturen des Linurischen Reichs. Er besitzt einen starken Freiheits- und Gerechtigkeitsdrang, ist jedoch gefangen in den Strukturen der Gemeinschaft. So schlimm die Verstoßung aus der Gemeinschaft für ihn ist, ist sie doch genau das, was ihn befreit.

Ich bin noch gespannt, wohin die Reise für ihn gehen wird und möchte seine Entwicklung realistisch halten. Das bedeutet, auch aus ihm wird kein legendärer Schwertkämpfer oder ein übermächtiger Magier. Er wird härter, rauer und kantiger werden und hineinwachsen in die Rolle eines Anführers, aber nur mit viel Unterstützung. Seine Antriebskraft ist das Gefühl.

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Nebenfigur oder Hauptdarsteller?

Zwar ist Laska der erste Charakter, der für die Nebelläufer geplant war, Drakan jedoch ist der älteste. Er stammt aus den Geschichten meiner Jugendzeit und schon damals hat er recht schnell jede Geschichte übernommen, in die er eingedrungen ist. Das hätte ich ahnen sollen, als ich ihm einen Gastauftritt in den Nebelläufern ermöglicht habe.

Leider war er genau das, was mir gefehlt hat – der political player für die große Ebene des Gesellschaftsumsturzes, der Gegenpol zum Lhima und ein Mann mit unheimlich viel Ambition. Kurze Zeit später hat er den gesamten politischen Plot in die Hand genommen und die Komplexität der Nebelläufer deutlich erhöht. Ich konnte die ganze erste Hälfte noch einmal schreiben und habe die Geschichte dann auf drei Bände ausgelegt.

Drakan ist ein beängstigend eigenständiger Charakter. Ich muss ständig aufpassen, ihn nicht zu stark rüberkommen zu lassen, obwohl es eine ganze Reihe von Dingen gibt, die er überhaupt nicht kann (kämpfen, körperliche Arbeiten, andere Leute miteinbeziehen, zwischenmenschliche Beziehungen, mit Tieren umgehen usw.). Aber er durchschaut die Schwächen anderer sehr schnell und nutzt sie gnadenlos aus. Manipulativ, wortgewandt und charismatisch, dabei sehr gefühlskalt. Definitiv kein Held. Seine Antriebskraft ist der Geist.

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